Saarländer starten mit einer kleinen Sensation in die Saison 2014 und schicken den amtierenden Südmeister mit einer 38:22 (6:0/12:7/20:0/0:15) Packung nach Hause

Vor der Partie im Saarbrücker Ludwigsparkstadion standen viele Fragen im Raum, die im Laufe der Begegnung zumindest zum Teil beantwortet werden sollten. Wie groß würde der Vorteil der Haller sein schon ein Saisonspiel absolviert zu haben während die Hausherren noch nicht einmal ein Vorbereitungsspiel hatten. Oder könnten die Hurricanes etwa den Vorteil nutzen für den Gegner noch ein komplett unbeschriebenes Blatt zu sein. Wie würde Nachwuchsquarterback Alexander Haupert den Erwartungsdruck verkraften und würde Tom Smythe erst einmal auf das Laufspiel setzen, um Sicherheit ins Spiel zu bekommen?

Alle Fragen bekamen eine für viele Beobachter überraschende Antwort. Vor 900 lautstarken Zuschauern entschied sich Hall für die 2nd-half-option. Somit musste Haupert seine Mannschaft gleich zu Beginn aufs Feld führen. Die Saarländer begannen mit einem Laufspielzug über den überragenden Giovannie Dixon, der 4 Touchdowns erlaufen sollte. Bei 2. und kurz folgte das erste Passspiel für ein First Down auf Terence Davis, den die Hurricanes kurz vor dem Spiel noch verpflichtet hatten. Bei den nächsten 6 Spielzügen wechselten sich Lauf und Passspielzug regelmäßig ab. Die Canes mussten nicht einen einzigen 3. Versuch ausspielen. Doch an der gegnerischen 20 Yardline unterlief Haupert ein erster Fehler, der aber ohne Folgen bleiben sollte. Bis dahin hatte er bereits 3 seiner Receiver bedient und jeden Pass an den Mann gebracht. Seinen 5. Pass warf er aber nicht zu seinem Mitspieler Swen Norrick sondern direkt in die Arme Haller Nationalspielers Gerhard Jäger. Bis dahin hatte Haupert sehr souverän die Fäden gezogen. Wie würde er mit diesem Rückschlag umgehen können?

Zunächst einmal führte Nationalmannschaftsquarterback Marco Ehrenfried sein Team auf das Feld. Schnell wurde klar, dass die Haller das Laufspiel nicht würden etablieren können. Zum Passen hätte Ehrenfried eigentlich relativ viel Zeit gehabt, aber seine Mitspieler ließen das Ei zu oft fallen. Nur ein First Down gelang den Hallern, bevor sie sich per Punt vom Angriffsrecht verabschieden mussten. In der zweiten Angriffsserie begann die große Show des Giovannie Dixon. Es sollten kurze Einlagen sein, aber ein ums andere Mal fand er mit langen Läufen die Endzone der Unicorns. In diesem besagten zweiten Drive übersprintete er die gesamte Haller Defense und legte einen 50 Yard Touchdownlauf hin. Das PAT wurde von Kai Brademann verschossen. Aber auch die Gäste hatten Probleme mit ihrem Kicking Game, denn Thomas Rauch hätte auf der anderen Seite mit einem 36 Yard-Fieldgoal verkürzen können, was ihm aber verwehrt blieb. In den folgenden Angriffsversuchen konnte kein Angriffsteam wirklich grenzen. Beide Teams trennten sich jeweils einmal durch einen Fumble und einmal durch einen Punt vom Angriffsrecht.

So war es wiederum Giovannie Dixon, der für das nächste Highlight für sein Team sorgen konnte. Alex Haupert ließ ihn mit einem kurzen Pass von der Leine, den er dann über 85 Yards zum 12:0 in die Endzone trug. Der Südmeister fightete zurück. Auf der Flucht vor 2 Verteidigern gelang Ehrenfried in letzter Sekunde noch eine lange Completion auf den besten Haller Rocky Ciasulli bis an die 3 Yard-Line der Canes. Im 4! Versuch gelang den Angreifern dann der Anschlusstouchdown durch Ciasulli. Doch die Saarbrücker wussten zu kontern. Letztlich war es Sidney Treib der einen 30 Yards Pass von Haupert fing und in die Endzone trug. Insgesamt brachte der Saarbrücker Quarterback auffällig mehr Pässe an den Mann als sein Gegenüber. Das mag aber auch daran gelegen haben, dass seine Jungs sich immer wieder sehr konzentriert zeigten und auch die schwierigeren Catches machten. Wie eben Sidney Treib, der das Ei fing, obwohl es vorher von seinem Mitspieler Norrick abgefälscht worden war. Auch der dritte Zusatzpunktversuch konnte nicht verwandelt werden, so dass die Teams beim Stande von 18:7 den Pausentee nahmen.

Um auf die Eingangsfragestellungen einzugehen – offensichtlich hatten die Hausherren einen größeren Vorteil durch den Überraschungseffekt der neuen Offensive, zumal der Faktor des ersten Spiels kaum ins Gewicht fiel. Eine sehr faire Begegnung sah nur 75 Yards Strafe auf Seiten der Hurricanes und sogar nur 35 auf Seiten der Unicorns. Für eine Saisoneröffnung sicher ein sehr guter Wert für die Hausherren. Auch wenn Dixon mit seinem Laufspiel für die spektakulären Aktionen sorgte, Headcoach Smythe schonte seinen Schützling Haupert nicht und setze von Beginn an auf einen ausbalancierten Angriff aus Pass und Lauf. Das auf dem Feld ein 19-jähriger die Fäden zog, der gerade erst aus der Jugend gekommen sein erstes Spiel überhaupt auf der Quarterbackposition im Erwachsenenbereich machte, konnte man beim besten Willen nicht erkennen. Einige Fehler unterliefen auch ihm, aber er konnte sich auf sein Team und seine Defense verlassen. Die Hurricanes hinterließen wirklich den Eindruck eines Teams, das hungrig auf mehr ist.

Die Geschichte der zweiten Halbzeit ist schnell erzählt. Dixon fand zwei weitere Male (62, 74 Yards) die Endzone der Gäste bevor Kendral Ellison mit einem 40 Yard Interceptionreturntouchdown den Punktereigen der Saarländer bereits im 3. Viertel abschloss. Nach der zwischenzeitlichen 38:7 Führung kamen bei den Hausherren immer mehr Back-Ups zum Einsatz. So konnte es Hall gelingen, das Ergebnis mit 22:38 noch ein wenig erträglicher aus ihrer Sicht zu gestalten. Zu allem Überfluss hatten die Gäste noch zwei weitere Ausfälle zu beklagen. So konnten die Receiver Aurieus Adegbesan und Lucas Schäfer die Begegnung genauso wenig beenden wie auf der Saarbrücker Seite D-Liner Moritz Böse, der mit Verdacht auf Kreuzbandriss ausschied. Den Spielern wünschen wir eine gute Besserung!

 

Photo by Steven Schirra

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