Die hohen Erwartungen der Footballer von der Saar erlitten im ersten Heimspiel gegen die Munich Cowboys trotz starker Defense-Leistung einen kleinen Dämpfer

Samstag 18 Uhr, Ludwigsparkstadion in Saarbrücken. Monatelang haben die Fans auf diesen Zeitpunkt hin gefiebert – endlich beginnt die neue Saison der Saarland Hurricanes. Nach einigen Jahren im Niemandsland der Tabelle soll dieses Jahr endlich die Teilnahme an den Playoffs gelingen. Dazu wurde in der Off-Season an einigen Schwachstellen im Team, insbesondere der Kadertiefe, gearbeitet. Head Coach Thomas Smythe kehrt ebenfalls mit hohen Ambitionen zu den Hurricanes zurück und bringt seinen Defense Coordinator Craig Nicholas mit. Beste Voraussetzungen, um das Team und den Verein in eine neue Ära zu führen.

Der Gegner zum Saisonbeginn, die Munich Cowboys haben sich nach einer turbulenten Pre-Season ähnliche Ziele gesteckt, mussten in ihrem ersten Saisonspiel jedoch bereits eine Niederlage gegen die favorisierten Stuttgart Scorpions hinnehmen. Mit Aushilfs-Quarterback Timothy Breaker und knapp 30 weiteren Spielern traten die Bayern den weiten Weg ins Saarland an, um die ersten Punkte der Saison einzufahren.

Der erste Drive des Spiels begann vor der mit über 1.000 Zuschauern gut gefüllten Haupttribüne im Park mit einem Drive der Canes. Von der eigenen 30-Yard Linie startend setzte sich die Offense um Nachwuchs-Quarterback Alexander Haupert in Bewegung. Mit einem Mix aus Passspiel und Läufen von Neuzugang Darious Watson und Bijan Jelvani konnten einige First Downs erzielt werden. In der Hälfte der Cowboys angekommen kam die Offense dann allerdings zum ersten Mal an diesem Tag ins Stocken und mit einem Quick Punt durch Haupert wechselte das Angriffsrecht.
Auch die Cowboys versuchten zunächst mit einem Mix aus Lauf- und Passpielzügen ins Spiel zu kommen. Die Defense der Hausherren war durch Coach Nicholas jedoch optimal auf das Spiel der Münchner eingestellt und konnte größere Raumgewinne vermeiden. Importspieler Collin Bibb, Lamar Hall und Hendrik Voss gaben im ersten Viertel ein ums andere Mal eindrucksvoll ihre Visitenkarte beim gegnerischen Ballträger ab.
Nach einem langen Punt der Cowboys betrat erneut die Hurricanes Offense den Platz, gewillt diesen Drive erfolgreich abzuschließen. Nach einem sehenswerten Pass von Haupert auf den 2,04m großen Receiver Cory Soto und dem Run after Catch wurde fast das gesamte Spielfeld überbrückt und es roch bereits nach den ersten Punkten im Spiel. Einige Spielzüge später fanden sich die Hurricanes jedoch mit einem 4. Versuch in der Red Zone der Münchner konfrontiert und entschieden sich für den Field Goal Versuch. Ein schlechter Snap auf dem vom Regen noch nassen Rasen vereitelte jedoch die Möglichkeit zum Kick.

Während die Cowboy Offense in Person von Breaker durch den Druck der Canes Front Seven weiterhin viel improvisieren musste und außer durch Strafen kaum nennenswerten Raumgewinn erzielen konnte, erging es den Saarländern bald ebenso. Ab deren dritten Drive kam die Offensive ebenfalls ins Stocken und der Sand im Getriebe setzte sich im Laufe der ersten Halbzeit fest. Head Coach Tom Smythe setzte vermehrt auf Passspiel, die Abstimmung zwischen Haupert und seinen Receivern funktionierte jedoch nur allzu selten. Zwar gelangen noch einige First Downs durch Pässe auf Soto, Kevin Johnston und Marcus Richardson, doch kamen beide Mannschaften nicht mehr in Schlagdistanz. Sehenswert noch ein in der eigenen Endzone scrambelnder Haupert, der schließlich doch noch Johnston für 20 Yards Raumgewinn fand, sowie ein fast geblockter Punt nach zu hohem Snap durch den Center der Canes in der eigenen Redzone. Die Canes klopften noch ein weiteres Mal an der Redzone der Münchner an, konnten aber keine Punkte mitnehmen. Mit einer Interception durch Breaker, der nicht als einziger Münchner beide Wege gehen musste, endete drei Spielzüge später die erste Halbzeit mit einem außergewöhnlichen 0:0. Das absolute Kontrastprogramm zum vergangenen Jahr, als die Münchner noch beim höchsten Hurricanes-Sieg der GFL1-Geschichte mit 66:21 aus dem Park gefegt wurden…

Die zweite Hälfte begann dort, wo die erste aufhörte: München weiterhin bemüht, aber ohne Mittel gegen die kompakt stehende Defense der Hurricanes, die wie immer auf lautstarke Unterstützung von den Rängen vertrauen konnte. Das Saarbrücker Laufspiel wurde ebenfalls mehrfach früh gestoppt, lediglich Haupert konnte mit einigen Läufen noch Akzente setzen. Willi Grunwald hatte noch einen Pick Six auf der Brust, war über den unvorhersehbaren Fehlwurf von Breaker aus kurzer Distanz aber ebenso überrascht wie der Rest des Stadions. Mit 0:0 endete damit auch das dritte Viertel im mittlerweile vom Flutlicht erhellten Ludwigspark.

Die Partie wurde im letzten Viertel nochmal etwas hitziger, blieb aber im Großen und Ganzen fair. Bis zum vorletzten Drive der Canes passierte nicht viel, doch dann kam es fast zu den ersten Punkten des Spiels. Nach und nach arbeiteten sich die Canes fast über das gesamte Feld und klopften bereits an der Endzone der Gäste an, wurden jedoch durch Strafen wieder nach hinten geworfen. Zwei knappe Schiedsrichterentscheidungen machten dem finalen Drive der Saarländer schließlich den Garaus: Soto fing mit einer fantastischen Reaktion einen Pass von Haupert, der zuvor noch Münchner Cornerback abgefälscht wurde – jedoch knapp out of bounds. Beim nächsten Versuch stolperte Johnston kurz vor Erreichen des Passes zum wiederholten Male über die Füße von Verteidiger Augustine Ume-Ezeoke, doch der Pfiff der Schiedsrichter blieb erneut aus.

Nach dem Turnover on Downs kam die bis dato ungefährliche Offense von Head Coach Denauld Brown mit weniger als 2 Minuten Spielzeit ein letztes Mal aufs Feld. Diesmal mit einer entscheidenden Veränderung: Ume-Ezeoke und Ryan Retzlaff stellten sich als Running Backs auf. Das spritzige Duo stellte die bisher kaum geforderte Defense der Hurricanes vor eine schwierige Aufgabe: Ein ums andere mal bewies das eigentlich als Verteidiger bzw. Receiver auflaufende Tandem seine Standfestigkeit und entglitt pro Lauf mehreren Tackles. Ein First Down folgte dem anderen, und auf einmal standen die Cowboys zum ersten Mal in der gesamten Spielzeit in der Hälfte der Saarbrücker. Dort konnten die Canes die Bemühungen der Gäste zwar nach 3 Versuchen stoppen; Breaker ließ sich beim vierten Versuch die Chance jedoch nicht nehmen, seinen massigen Körper einzusetzen und im Vorwärtsfall mit dem Ball den neuen ersten Versuch zu erreichen. Die Uhr war mittlerweile bei 1 Minute angekommen, die Cowboys hatten alle Timeouts bereits aufgebraucht. Dennoch setzten Sie weiter auf das einzige Erfolgsrezept am heutigen Tag: Läufe der Nummer 1 und 5. Zwei Versuche später liegt der Ball an der Canes 25-Yard Line und München stellt sich zum Field Goal auf. Wer Robert Werner, den Kicker der Münchner kennt der weiß – das ist machbar. Und in der Tat fliegt das Ei von Werners Schuh hoch und weit – und durch die Stangen. Nach diesem Schock bestätigte der Referee noch, dass die Uhr während des Kicks ausgelaufen und das Spiel beendet ist. Freude auf der einen, blankes Entsetzen auf der anderen Seites des Spielfeldrands, gepaart mit enttäuschten Gesichtern auf der Haupttribüne.

Für die Canes gilt es, auf der bärenstarken Defense-Leistung aufzubauen und in 2 Wochen die gastierenden Rhein-Neckar Bandits ebenfalls in Schach zu halten. Wenn die Offense es im nächsten Spiel schafft, das Laufspiel stärker zu etablieren und damit Quarterback Haupert zu entlasten, steht dem ersten Saisonsieg nichts mehr im Wege. Das Spiel findet am 09.05. wie gewohnt um 18 Uhr im Ludwigspark statt.

Text: Andreas Sossong

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