Hurricanes verpassen gegen Europapokalhalbfinalist knapp die Sensation
American Footballer verlieren zum Saisonauftakt beim Titelfavoriten in letzter Sekunde mit 24:28
(tr/sh) Es sollte eine Standortbestimmung werden. Das Team hatte sich viel vorgenommen und wollte Football Deutschland gleich zu Saisonbeginn die erste Sensation präsentieren. Es fehlte nicht viel; unterm Strich steht aber leider eine Niederlage. Der Gegner aus Schwäbisch Hall wurde von Experten wesentlich stärker eingeschätzt. Kaum jemand außerhalb des Saarlandes hätte solch einen Spielverlauf erwartet. Schließlich läuft die Saison der Haller Unicorns bereits seit einigen Wochen. Sie spielen im Europapokal und haben sich souverän für das Halbfinale qualifiziert. Ganz im Gegensatz dazu gingen die Canes ohne Vorbereitungsspiel in die Begegnung. Aber wer Abstimmungsprobleme erwartete, sah sich überrascht. Headcoach Kirk Heidelberg hatte das Team mit seinen harten Trainingseinheiten hervorragend auf die Saison vorbereitet. Gleich der erste Drive führte über das gesamte Feld. Tony Moore fing einen 12 Yards Pass von Quarterback David Drane zur überraschenden aber verdienten 7:0 Führung. Die Schwaben schienen antworten zu können. In wenigen Versuchen kamen sie bis zur 20 Yardline der Canes. Alles sah nach einem Touchdown aus. Doch dann bediente der Quarterback Ira Vandever Chris Jackson, den Cornerback der Canes. Was für ein Start in die Saison! Mit dem ersten Drive einen Touchdown erzielt und mit der Defense per Interception direkt ein Turnover produziert. So perfekt ging es zwar nicht weiter, aber es ließ sich zumindest mal gut an. Die folgende Serie beendeten die Canes mit einem Punt. Doch die Defense blieb auf der Höhe des Geschehens. Sie ließ weiterhin keine Punkte zu. Mit 7:0 wurden erstmals die Seiten gewechselt. Die Canes dominierten mit ihrer Offense weiterhin das Spiel. Luon Spearmann konnte mit einem 15 Yard-Lauf auf 14:00 erhöhen. Die Verteidigung der Canes ließ zwar immer wieder Yards zu, blieb mit ihrer Aggressivität aber stets in der Lage mit einem Big Play den Ball zu erobern.
Heftig umstritten war kurz vor der Halbzeit eine Schiedsrichterentscheidung, die die ersten Punkte für die Gastgeber vorbereitete. Bei einem tiefen Passversuch, der sein Ziel nicht fand, entschieden die Männer in Schwarz Weiß auf Pass-Interference durch die Canes. Passbehinderungen sind meistens umstritten, aber bei diesem Spielzug gab es einige klare Vergehen der Haller, die nicht geahndet wurden. Ein offensichtliches Holding gegen Hendrik Voss bei seiner Jagd auf den Quarterback wurde ebenso wenig gepfiffen, wie der Offenselineman der Gastgeber, der bereits vor dem Pass unerlaubterweise downfield gelaufen war. Natürlich waren auch einige der Meinung, dass sich Angreifer und Verteidiger gegenseitig behindert hätten. Dass der Ball aber viel zu hoch geworfen und damit unfangbar war, darüber war man sich auf Seiten der Saarländer einig. Folglich hätte eine Behinderung gar nicht gepfiffen werden dürfen. Alles reklamieren nutze nichts. Alles andere wäre auch überraschend gewesen. Schiedsrichter sind auch nur Menschen und können sich mal irren. Dumm nur, dass es in einer solch wichtigen Situation war. Denn statt eines 3. Versuchs und 15 Yards zu gehen an der 30 Yardline gab es ein First Down an der 3 Yardline. Diese Chance ließen sich Unicorns nicht entgehen und verkürzten kurz vor der Halbzeit auf 7:14. Es waren noch 1:30 auf der Uhr als David Drane das Kommando wieder übernahm. Er führte den Angriff wieder über das Ganze Feld. Lediglich die Zeit wurde knapp. Von einem Schiedsrichter kam das Signal, die Zeit sei abgelaufen. Der kommende Spielzug sei der letzte. Die Canes reagierten direkt und kickten durch Almen Causevic erfolgreich ein Fieldgoal aus 35 Yards zum 17:07 Halbzeitstand. Dachten die Canes, denn plötzlich waren nach dem Kick doch noch 6 Sekunden auf der Uhr. Wie soll man solch eine Schiedsrichterleistung beurteilen? Da hilft es auch nicht, wenn sich der Herr in Schwarz Weiß nach dem Spiel entschuldigt. Die Schwaben konnten die 6 Sekunden zwar nicht mehr für eigene Punkte nutzen, aber die Canes hätten auf jeden Fall noch einen Versuch auf einen Touchdown unternommen.
Aber mal ehrlich, wer hätte erwartet, dass die Canes mit 17:07 in der Halbzeit führen?
Viertel 3 wurde durch den Angriff der Schwaben eröffnet. Sie konnten auch tatsächlich zum 14:17 verkürzen. Welches Herz in den Canes steckt, zeigten der folgende Drive. Nach nur wenigen Spielzügen konnte Chris Jackson einen 60 Yard Touchdownlauf durch die Mitte markieren. Der direkte Konter zum 14:24 und das erste wirkliche Big Play der Offense. In der Folge verschossen die Haller gleich zweimal aus aussichtsreicher Position ein Fieldgoal. Die Canes konnten sich mit ihrem Angriff leider auch keine Punkte mehr aufs Board bringen. Langsam kam ein wenig Sand ins Getriebe. Es waren nur noch 5 Minuten zu spielen, als das Spiel doch noch eine dramatische Wende bekam. Die Verteidigung verlor Joe Frick. Ihm wurden bei einer Aktion zwei Schneidezähne ausgeschlagen. Außerdem zog er sich eine tiefe Fleischwunde an der Lippe zu. Der Safety, der bis dahin zu überzeugen wusste, wurde in der Folge schmerzlich vermisst. 4 min 34 waren noch auf der Uhr, als Hall auf 21:24 verkürzen konnte. Der Haller Angriff entwickelte sich übrigens zu einer absoluten One-Man-Show des Quarterbacks Ira Vandever. Ein anderes Laufspiel außer seinen oft erfolgreichen Scramblings war nicht existent. Es war noch viel Zeit auf der Uhr, die die Saarländer aber mit ein paar erlaufenen First Downs hätten runterspielen können. Es sah auch ganz gut aus, bis zu jenem 3. Versuch, bei dem nur noch wenige Zentimeter zu einem weiteren First Down zu überbrücken waren. Ein Offenselineman hatte es aber zu eilig. Er sprang ins Abseits. Und jetzt waren es noch mehr als 5 Yards. Dieses eine First Down hätten die Canes noch gebraucht. Sie schafften es nicht. Das Ei musste gepuntet werden. Den Hallern blieben noch 1 min 45 auf der Uhr. Sie wussten das Geschenk anzunehmen! Allerdings auch erst nach einem kleinen Schock für die Gastgeber. Denn Ira Vandever, mal wieder auf der Flucht vor den Canes fumblete den Ball. Dieser konnte aber von einem Unicornsspieler recovert werden. Das wäre es wiederum beinahe gewesen. Stattdessen markierten die Einhörner 10 Sekunden vor Schluss den siegbringenden Touchdown.
Resümierend muss man feststellen, dass mit den hoch gewetteten Schwäbisch Hall Unicorns das glücklichere Team am Ende gewann. Sie konnten mit ihrer One-Man-Show zwar ständig den Ball bewegen. Sie ließen aber auch viele Chancen aus (2 verschossene Fieldgoals) und produzierten mit 2 Interceptions und 2 verlorene Fumbles zu viele Turnovers. Punten mussten sie das Gesamte Spiel nicht. Die Canes hingegen bewegten kontinuierlich den Ball. Die meisten Spielzüge funktionierten. Es musste wenig improvisiert werden. Mit Luon Spearmann und Chris Jackson hat man 2 unberechenbare Runningbacks. Mit David Drane einen Quarterback, der wenig Fehler macht (nur 1 Interception). Die Defense der Haller fand kaum ein Mittel. Der Verteidigung der Canes muss man attestieren, trotz der dünnen Spielerdecke immer wieder Big Plays gemacht zu haben. Man darf nicht vergessen, dass der Gegner immerhin im Halbfinale des Europapokals steht und gemeinsam mit Marburg, übrigens der andere Halbfinalist, als absoluter Favorit auf die Südmeisterschaft gehandelt wird.
Ein riesiges Kompliment an Coaches und Mannschaft! Mit dieser Teamleistung werden wir nächste Woche gegen Düsseldorf viel Spaß im Ludwigspark haben. Weiter so Jungs. Kuriert eure Prellungen und Wehwehchen aus und zeigt uns, dass im Ludwigspark wieder glorreiche Zeiten auf uns zukommen. Mit dem fantastischen Publikum im Rücken sollte doch der erste Sieg möglich sein.
Why not us - feel the wind…
Ps: Gute Besserung Joe!