Täglich sinkt der Preis für den Flieger

Hurricanes-Neuzugang Raj Thompson sitzt noch in den USA fest - Heimspiel am Samstag

Raj Thompson ist Linebacker. Der US-Amerikaner soll die Abwehr des American-Football-Bundesligisten Saarland Hurricanes verstärken. Er wird dringend gebraucht, doch er sitzt am Flughafen fest.


(ver/SZ) Saarbrücken. Seit sich vor gut zehn Tagen im Spiel gegen die Stuttgart Scorpions der Quarterback der Saarland Hurricanes, Cody Lee Smith, die Schulter gebrochen hat, muss Abwehrspieler Kyle Slusser als Spielmacher einspringen. "Das schwächt natürlich unsere Defense ganz gewaltig", sagt Defense-Koordinator Wade Green.

Spielerpass liegt vor

Der Verein hat sich daher sofort mit Raj Thompson in Verbindung gesetzt. Der hat gerade sein Studium in Calpoly San Luis Obisco beendet, ist derzeit arbeitslos. Schon vor der Saison gab es Verhandlungen mit dem Spieler, den auch einige NFL-Teams zu Tests eingeladen hatten. Vorsorglich hatten die Saarland Hurricanes für den Amerikaner schon einen Spielerpass besorgt. Nur deshalb kann er jetzt, nach sechs von zehn Saisonspielen, noch nachträglich ins Team einsteigen. Denn die Frist, um neue Spieler zu verpflichten, ist schon lange abgelaufen.
Also, die Hurricanes brauchen Raj Thompson für die verbleibenden vier Saisonspiele. Dieser möchte nichts lieber, als möglichst bald dem Bundesliga-Schlusslicht unter die Arme zu greifen. Doch dazwischen liegen der atlantische Ozean und eine Fluggesellschaft, die ein Versäumnis des Football-Spielers gar nicht lustig findet. Denn eigentlich hätte Thompson am Montag in Saarbrücken ankommen sollen. Doch dem 23-Jährigen fiel in letzter Sekunde auf, dass er keinen Reisepass hatte und deshalb gar nicht nach Europa fliegen konnte. Diesen Pass hat er jetzt - was nun die sofortige Abreise verhindert, sind die "Gebühren" der Fluggesellschaft. Die lagen bei einem Abflug am Dienstag bei deutlich über 1000 Dollar und reduzieren sich, je später der Footballer das Flugzeug besteigt. Dass Raj Thompson am Samstag um 17 Uhr beim Heimspiel gegen die Schwäbisch Hall Unicorns auflaufen wird, ist nicht unmöglich, aber auch nicht sehr wahrscheinlich.

Neue Taktik für die Offense

Kommen wird er auf jeden Fall. "Wir brauchen ihn", sagt Wade Green. Für die Partie gegen die Unicorns fordert der Defense-Koordinator der Saarland Hurricanes eine deutliche Leistungssteigerung bei jedem Spieler. "In der Offense können sowohl Kyle Slusser, als auch Sherman Austin auf der Quarterback-Position spielen. Da beide auf dieser Position keine Erfahrung haben, müssen die anderen Spieler ihnen den Rücken freihalten", erklärt Green.
In der Defense sei die Situation noch angespannter. Wenn Kyle Slusser als Quarterback antritt, fehlt er in der Verteidigung. Wade Green wird daher selbst auf dem Feld stehen. "Trotzdem wird jeder einzelne Spieler seine Leistung steigern müssen", sagt Green. Er sieht das Heimspiel gegen Schwäbisch Hall als Herausforderung, die zeigen soll, wie stark der Teamgeist der Saarland Hurricanes nach den sechs Saisonniederlagen wirklich ist.
Die Schwäbisch Hall Unicorns sind keine leichten Gegner. "Sie sind vielleicht sogar das stärkste Team im Süden", mutmaßt Green. Die Stärke der Einhörner ist ihre Offense, die in jedem Spiel zwischen 40 und 50 Punkte machen kann. Schwachstelle der Mannschaft ist - wie bei den Hurricanes auch - die Abwehr. "Sie lässt stets zwischen 30 und 40 Punkte zu", weiß Wade Green. Die Hurricanes wollen nun ihre eigene Schwachstelle, die durch den fehlenden Quarterback entstanden ist, zu ihrem Vorteil nutzen. Ausgangspunkt ist eine Spielstrategie von Offense-Koordinator Andreas Mees. Wie dieses Konzept aussieht, wollte Wade Green den Lesern der Saarbrücker Zeitung nicht verraten. Die Unicorns könnten es schließlich irgendwie erfahren.

Quelle: Saarbrücker Zeitung vom 12.08.04